• danielfeyler

Leitfaden: Wie man aus ETFs das optimale Portfolio baut

  • Passive, kostengünstige ETFs schlagen aktive Fondsmanager

  • Klare Strategie ist der Schlüssel zum Erfolg

  • Mit dem Allwetter-Portfolio von Hedgefonds-Legende Ray Dalio zum erfolgreichen Vermögensaufbau

Beliebte ETFs schlagen aktive Fonds

Vor Jahren bereits haben ETFs – also Fonds, die nicht aktiv verwaltet werden, sondern passiv einen Index abbilden – zu ihrem Siegeszug angesetzt. Indexfonds machen im Bereich Aktien bereits rund 25 % des Fondsgeschäfts aus. Der Grund ist naheliegend: Langfristig schaffen es Fondsmanager fast nirgends auf der Welt, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Verlangen dafür aber hohe Gebühren. Nach Informationen der SPIVA® Europe Scorecard schneiden Anleger in Fonds der Eurozone über einen Zeitraum von 10 Jahren in bemerkenswerten 91 % aller Fälle mit einer Anlage in einem ETF besser ab. In US-Fonds sind es sogar 98 %. Immerhin etwas besser sieht es für Anleger in deutschen Aktienfonds aus, wenngleich das Ergebnis keinesfalls überzeugend ist. Hier verlieren nämlich 79 % der Fondsmanager den Vergleich mit dem Index.

Kostenvorteile mit ETFs

ETFs sind deutlich kostengünstiger als aktiv verwaltete Fonds, da sie eine deutlich geringere Anzahl an Transaktionen aufweisen. Sie bilden einen Index nach – somit können sie diesen auch niemals schlagen, gehören aber glücklicherweise auch nicht zu den 98 % der Fonds, die gegen den Index verlieren. Aus Angst zu weit hinter dem Vergleichsindex zurückzuliegen gehen aktive Fondsmanager in den vergangenen Jahren nun vermehrt dazu über, diesen möglichst genau abzubilden. Die hohen Managementgebühren fallen natürlich trotzdem an. Eine alarmierende Entwicklung, wie der die europäische Finanzaufsicht ESMA zuletzt monierte.

Zahlreiche Strategien helfen beim Vermögensaufbau

Wer auf dieser Basis nun ein Portfolio aus ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau zusammenstellen möchte, hat grundsätzlich erst einmal die Qual der Wahl. Denn Portfoliostrategien gibt es zahlreiche. Es gibt wissenschaftliche Ansätze wie den ARERO Weltfonds von Professor Martin Weber, der basierend auf seiner Finanzforschung einen ETF konstruiert hat.

Auch FinTechs wie Vaamo haben bei ihren Robo-Advisorn häufig einen wissenschaftlichen Ansatz gewählt. Die Strategie der Frankfurter wird bspw. von Professor Andreas Hackethal getrieben. Unter anderem steuert man hier die Gewichtung einzelner Regionen über deren Beitrag zum globalen Bruttoinlandsprodukt. Starke Industrienationen werden so höher gewichtet als Emerging Markets.

Der Klassiker ist sicherlich die moderne Portfoliotheorie nach Markowitz, welche die - je nach Risikoneigung und Anlagehorizont - optimale Gewichtung von Aktien und Renten sucht.

Das Allwetter-Portfolio mit überzeugender Performance

Ich möchte hier jedoch einen anderen Ansatz zeigen: Das sog. „Allwetter-Portfolio“ von Ray Dalio. Ray Dalio ist vielleicht der erfolgreichste Investor und Hedgefonds-Manager aller Zeiten. Was die Performance angeht liegt er sogar vor Warren Buffet.

Sein Hedgefonds-Verwalter "Bridgewater" war im Jahr 2014 mit rund 160 Milliarden Dollar Vermögen der größte weltweit. Die beiden Kernprodukte seines Portfolios sind der „Pure Alpha" Fonds und eben jenes „Allwetter-Portfolio“. "All Weather entstand aus Bridgewaters Bemühung, die Welt zu verstehen und heute das Portfolio zu halten, das vernünftigerweise noch in 20 Jahren erfolgreich sein wird – selbst wenn heute niemand vorhersagen kann, welche Art von Wachstum und Inflation dann vorherrschen wird", kann man in einem Unternehmenspapier lesen. Sein Ziel ist es also nicht, in kurzer Zeit höchstmögliche Renditen zu erzielen, sondern konstante und das über einen möglichst langen Zeitraum. Da das erklärte Ziel seines Allwetter-Portfolios darin liegt, über Jahre hinweg kaum aktiv in die Portfoliozusammenstellung eingreifen zu müssen, eignet es sich sehr gut für den kostenbewussten und kontinuierlichen Vermögensaufbau. Und für Anleger, die nur wenig Zeit für dieses Thema aufbringen können oder wollen. Mit dieser Strategie ist es Dalio offenbar gelungen in den letzten 30 Jahren eine Rendite von durchschnittlich 9,72 % nach Kosten zu erzielen. In dieser Zeit gab es nur 4 Verlustjahre, von denen 2008 (Sie erinnern sich, das Jahr der Finanzkrise) mit einem Verlust von nur 3,9 % das schwächste Jahr war.

Rendite - komme was wolle

Um das zu erreichen müsse man laut Dalio beachten, dass jede Investition eine ideale Umgebung besitzt, in der sie floriert. Unterschiedliche Anlagen profitieren somit in unterschiedlichen Marktphasen. Letztlich gebe es nur 4 Faktoren, die Preise von Vermögenswerten beeinflussen: Inflation, Deflation, Wirtschaftswachstum, Wirtschaftsstagnation oder -rückgang. In der Praxis geht es dabei um die Frage, ob Inflation und Wirtschaftswachstum sich stärker oder schwächer entwickeln, als erwartet. Und wenn es letztlich nur 4 potentielle Wirtschaftslagen gebe und niemand weiß, wann welche eintrifft, so sollte der Anleger nach Ray Dalio sein Risiko gleichmäßig über diese 4 Kategorien verteilen. Somit würde er in keiner Situation ein besonderes Risiko eingehen. Er beabsichtigt somit also nicht die Zukunft vorherzusagen, sondern sich auf grundlegende Szenarien vorzubereiten, die in der Zukunft eintreten werden. Dalio meint: „Wir können ein Portfolio heute so strukturieren, dass es im Jahr 2022 Gewinne erzielt, obwohl wir nicht wissen, wie die Welt in 2022 aussehen wird.“

Das Allwetter-Portfolio im Detail

In Tony Robbins Bestseller „Money“ stellt Ray Dalio erstmals eine etwas vereinfachte Version seines Allwetter-Portfolios dar. In der Realität setzt er diese über Instrumente an den Terminmärkten natürlich etwas komplexer um. Für den Privatanleger wäre dies aber nicht abbildbar, weshalb er eine vereinfachte Darstellung wählte. Und dieses Portfolio sieht folgendermaßen aus.

In konkrete Wertpapiere übersetzt, die bei einem üblichen deutschen Onlinebroker handelbar sind, würde sich zum Beispiel folgendes Portfolio ergeben:

Im Übrigen habe ich hier zunächst Standard-Indizes verwendet. In einem künftigen Blog werde ich einmal über weitergehende Optimierungen schreiben.

Fokus USA

Ihnen sticht nun sicherlich ins Auge, dass hier ein sehr hoher Anteil an Anleihen verwendet wird. Da Ray Dalio auf jede Marktlage vorbereitet sein möchte – also idealerweise in keinem Jahr Verluste erzielt – benötigt er diese, um das Risiko des Aktienanteils auszugleichen.

Außerdem dürfte den Deutschen der besondere Fokus auf die USA beschäftigen. Ray Dalio und sein Hedgefonds stammen aus den USA, was ich als Grund für dieses Gewicht vermute. Welchen Einfluss eine Verlagerung bspw. der US-Staatsanleihen auf europäische oder deutsche hat konnte ich nicht ermitteln. Ein Einfluss ist aber sicher. Dieser kann plump gesagt positiv oder negativ sein. Entscheiden Sie also selbst, ob Sie hier experimentierfreudig sind.

Rebalancing als Rendite-Kick

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass rund 90 % des Anlageerfolges auf die Asset Allocation, also die Struktur des Portfolios, zurückzuführen ist. Lediglich etwa 10 % des Erfolges werden durch das Timing oder die Auswahl einzelner Wertpapiere beeinflusst. Die Wahl einer übergeordneten Strategie sollte daher beim Aufbau eines ETF-Portfolios für Sie oberste Priorität besitzen. Da die Wertentwicklung der einzelnen Anlagen natürlich auch fortlaufend deren Struktur verändert sollten Sie im Rahmen eines sog. Rebalancing einmal im Jahr die Portfoliostruktur auf die Ausgangsaufteilung zurücksetzen. Haben also bspw. Rohstoffe von 7,5 % auf 11 % zugelegt und Aktien parallel von 30 % auf 25 % eingebüßt, so wäre es Ihre Aufgabe, den Rohstoffanteil durch Gewinnmitnahmen wieder auf 7,5 % zu senken. Mit dem Erlös können dann Aktien nachgekauft werden, um auch dort wieder auf den Ausgangswert von 30 % zu gelangen. Je nach betrachteter Studie erhöht ein solches Rebalancing die Rendite Ihres Portfolios um 0,5 % - 1% pro Jahr. Das ist ordentlich, verglichen mit dem damit verbundenen Zeitaufwand. Und macht sich über den Zinseszins noch dazu über die Jahre deutlich bemerkbar.

Details zur ETF-Bauweise

Meine persönliche Vorliebe ist übrigens die Verwendung von physisch replizierten und ausschüttenden ETFs – wann immer sinnvoll möglich. Bei physisch replizierten ETFs wird das Geld nämlich tatsächlich in die dahinterliegenden Wertpapiere investiert und die Wertentwicklung nicht über synthetische Swaps abbildet, welche wiederum einem Emittentenrisiko unterliegen. Und ausschüttend sollten Sie für mich sein, da ausländische thesaurierende Fonds unter Umständen steuerliche Nachteile besitzen können. Darüber hinaus können Sie das Geld aus den Ausschüttungen ja auch gleich für Ihr Rebalancing verwenden.

Bild-Quelle: http://blogs-images.forbes.com/nathanvardi/files/2014/10/1022_ray-dalio_1200x675.jpg


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