• danielfeyler

Wie Sie eine passende Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung finden - ein Leitfaden


  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und bereits mit weniger strengen Gesundheitsfragen abschließbar, jedoch größere Invalidität für Rentenzahlung erforderlich.

  • Dread Disease: Abschluss mit weniger strengen Gesundheitsfragen möglich, Leistung wird unabhängig von einer tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit ausgezahlt, jedoch keine Rückenleiden oder psychische Erkrankungen mitversichert.

  • Unfallversicherung: Günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und bereits mit minimalen Gesundheitsfragen versicherbar, jedoch sind eben nur Unfälle als Ursache abgesichert.

  • Grundfähigkeitsversicherung: Günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und bereits mit weniger strengen Gesundheitsfragen erhältlich, jedoch ist für die Zahlung einer Rente eine größere Invalidität nötig sowie Leistungen bei psychischen Erkrankungen nicht versichert.

Eine Anmerkung gleich vorweg: Es gibt leider keine gleichwertige Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Alternative bedeutet immer einen Kompromiss an der einen oder anderen Stelle – ist aber definitiv besser, als gar keinen Existenzschutz zu besitzen. Stellt sich nur die Frage, weshalb eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Allgemeinen alternativlos ist. Das lässt sich über den dort vorhandenen Einschluss von psychischen Erkrankungen sowie allgemein über das versicherte Risiko erklären. Das versicherte Risiko ist im Falle der Berufsunfähigkeitsversicherung nämlich kein vordefiniertes Krankheitsbild, sondern ganz allgemein die gesundheitliche Unfähigkeit, einem Beruf weiterhin nachzugehen – egal aufgrund welcher Ursache. Diese umfassende Definition kann leider keine andere Versicherung leisten.

Das hilft aber nur demjenigen, der auch die Möglichkeit hat, einen solchen Versicherungsschutz zu nutzen. Viele Deutsche haben jedoch bereits Vorerkrankungen, die zu einer Ablehnung seitens der Gesellschaft führen, zum Ausschluss eines wichtigen Krankheitsbildes führen oder einen hohen Risikozuschlag erfordern. Andere wiederum arbeiten in risikobehafteten körperlich tätigen Berufen wie bspw. Handwerker oder Pflegekräfte und sind so häufig finanziell nicht willens, den dadurch deutlich teureren Beitrag zu zahlen. So kann die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit einen Verbraucher oder eine der riskanten Berufsgruppen teilweise über 15 % seines Nettoeinkommens kosten – bei kaufmännischen Angestellten sind es hingegen nur bis zu 5 %. In diesen Fällen stellt sich also die Frage nach Alternativen, die ganz individuell für die persönlichen Erfordernisse einen guten Kompromiss darstellen.

Zu den Krankheiten, die die Annahme in einer Berufsunfähigkeitsversicherung erschweren oder auch gänzlich verhindern können, zählen bspw. Rückenbeschwerden wie Skoliose, Magen-Darm-Erkrankungen, Allergien oder Diabetes. Auch wer in den vergangenen 10 Jahren einmal in psychologischer Behandlung war wird es schwer haben, einen passenden Versicherer zu finden.

Die erste Alternative, die wir diskutieren wollen, ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Auf den ersten Blick klingen die Namensteile Erwerb und Beruf recht ähnlich. Werfen wir jedoch einen genauen Blick auf die Definitionen dieser beiden scheinbar ähnlichen Begriffe, so zeigen sich doch deutliche Unterschiede. Im Versicherungsvertragsgesetz ist zu lesen:

“Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.”

Wobei Versicherer im Allgemeinen bereits zahlen, wenn dieser zu 50 % nicht mehr ausgeübt werden kann. Bei der Definition der Erwerbsunfähigkeit hingegen findet weder der zuletzt ausgeübte Beruf, noch die bisherige Lebensstellung Berücksichtigung. Auch wird eine Leistung erst dann gezahlt, wenn der Versicherte nicht mehr in der Lage ist, für 3 Stunden oder mehr am Tag einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Ein ganz wesentlicher Unterschied besteht auch im sog. Prognosezeitraum, welcher die voraussichtliche Dauer des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben prognostiziert. Im Falle der Berufsunfähigkeit sind dies bedingungsgemäß 6 Monate, die für eine Versicherungsleistung erforderlich sind – für eine Erwerbsunfähigkeitsrente zumeist immerhin drei Jahre. Da die Erwerbsunfähigkeitsrente im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung durch ihren günstigeren Preis eine Absicherung für viele Berufe überhaupt erst zugänglich macht und darüber hinaus v.a. bei kaufmännischen Berufen bei Eintritt der Berufsunfähigkeit oftmals auch die Voraussetzungen für eine Erwerbsunfähigkeitsrente erfüllt sind, stellt diese Absicherung eine sinnvolle Alternative dar, falls der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich ist. Die monatliche Rente sollte im Übrigen etwa 70 bis 80 % des derzeitigen Nettoeinkommens betragen.

Die zweite Alternative stellen sog. Dread Disease Versicherungen dar, bei denen bestimmte definierte schwere Krankheitsbilder abgesichert werden. Je nach Versicherer sind dies zwischen 38 und 50, darunter beispielsweise Herzinfarkt, Krebs, Schlaganfall oder Alzheimer. Die Dread Disease Absicherung unterscheidet sich in einem Punkt maßgeblich von den Konkurrenten: Es gibt hier anstatt einer monatlichen Rente eine Einmalzahlung, unabhängig vom tatsächlichen Ausmaß der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Idee dieser Versicherung stammt aus dem angelsächsischen Raum und sollte dem Versicherten im Leistungsfall finanziellen Spielraum für erhöhte Behandlungskosten seiner Krankheit ermöglichen, den Einkommensausfall kompensieren oder Selbständigen eine Vertretung in der Firma finanzieren. Zu beachten ist, dass im Zuge der Dread Disease keiner Rückenleiden oder Psychischen Erkrankungen mitversichert sind, diese jedoch für eine Vielzahl der Fälle von Berufsunfähigkeit verantwortlich sind. Auf der anderen Seite erlaubt es die weniger strenge Gesundheitsprüfung dieser Versicherung häufig auch Menschen mit Vorerkrankungen an eben Rücken oder Psyche, hier eine Absicherung zu erhalten. Von großer Bedeutung ist die Versicherungssumme. Diese sollte in der Regel drei bis fünf Nettojahreseinkommen betragen.

Zumindest hinsichtlich der Leistungserbringung fällt auch die Unfallversicherung in den Topf der Schwere Krankheiten Absicherung (Dread Disease). Denn laut DIN (DIN SPEC 77222) wird hier ebenfalls eine Einmalzahlung (anstatt monatlicher Renten) empfohlen. Wenngleich die Unfallversicherung, wie der Name bereits sagt, nicht den Eintritt einer Krankheit, sondern eines Unfalls absichert. Da Unfälle für lediglich 9,41 % (Quelle: Morgen & Morgen, 2014) der Leistungsfälle einer Berufsunfähigkeitsversicherung verantwortlich sind, ersetzt auch die Unfallversicherung diese nicht adäquat. Auch sollte eine solche Versicherung niemals mit einem Zusatz wie Beitragsrückgewähr oder Prämienrückgewähr versehen werden.

Als letzte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung möchten wir hier die Grundfähigkeitsversicherung besprechen. Auch hier wird nicht die pauschale Befähigung am Berufsleben teilzunehmen bewertet, sondern eine spezielle Invalidität – nämlich der Verlust von sog. Grundfähigkeiten wie beispielsweise Gehen, Sprechen, Sehen, Autofahren, Treppensteigen oder der Gebrauch der Hände. Unabhängig davon, ob der Beruf anschießend noch ausgeübt werden kann oder nicht. Im Leistungsfall wird hier eine monatliche Rente gezahlt, welche auch lebenslang vereinbart werden kann. Nicht nur für Berufe wie Handwerker oder Pflegekräfte, sondern auch für Büroangestellte bedeutet der Verlust einer dieser Grundfähigkeiten in der Regel auch den Eintritt der Berufsunfähigkeit. Eine Grundfähigkeitsversicherung ist günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und ermöglicht somit gerade Verbrauchern mit Risikoberufen, durch die weniger strenge Gesundheitsprüfung aber auch solchen mit Vorerkrankungen eine Grundabsicherung der Existenz. Die Höhe der Rente sollte analog der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit bei etwa 70 bis 80 % des Nettoeinkommens liegen.

Einen Hinweis möchten wir noch zu einigen Sondertatbeständen von Berufsunfähigkeitsversicherern geben. Ab und an treten solche mit Sonderaktionen mit reduzierter Gesundheitsprüfung an den Markt heran. Diese stellen für Personen mit bestimmten Vorerkrankungen gegebenenfalls eine gute Möglichkeit dar, einen sonst nicht möglichen Versicherungsschutz zu erhalten. Jedoch sind auf diese Wege oft nur weniger als 1.000 Euro Rente möglich und somit weniger als die von der DIN empfohlene Mindestrente. Gegebenenfalls übersteht der Kunde die Gesundheitsfragen von zwei Versicherern und kann diese zu einer höheren Rente kombinieren. Solche Aktionen eignen sich also vor allem als Ergänzung eines bestehenden Versicherungsschutzes. Auch unterscheiden sich die abgespeckten Gesundheitsfragen je nach Versicherer teils deutlich. Hier gilt es mit einem unabhängigen Berater zu prüfen, welcher Fragekatalog eine Chance auf Absicherung der speziellen Vorerkrankung bietet. Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt, diese jedoch in nicht ausreichender Höhe abgesichert hat, dem sei der Hinweis auf die sogenannte Erhöhungsoption gegeben. Versicherte in guten, modernen Tarifen haben hier die Möglichkeit, ihren Versicherungsschutz bei Eintritt bestimmter Ereignisse wie beispielsweise Hochzeit, Geburt oder einer Gehaltserhöhung an die neuen Umstände anzupassen. Manche Versicherer ermöglichen dies sogar ohne solche Ereignisse.


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