• danielfeyler

Warum die meisten Bitcoin-Millionäre nie etwas von ihrem Reichtum sehen werden


Bevor ich meine These begründe möchte ich gerne noch ein paar Gedanken zum Thema Bitcoin und Blase loswerden. Wen das nicht interessiert, der kann auch direkt zum vorletzten Absatz springen 😊

Bitcoin ist eine Blase.

Bitcoin-Fans führen gerne auf, dass die Kryptowährung beispielsweise das „Digitale Gold“ sei oder die wahre und freie Währung der Zukunft, losgelöst von staatlicher Kontrolle und Manipulation.

Kritiker werden entgegnen, dass Gold nur dann als Krisenwährung taugt, wenn es auch von jedermann akzeptiert ist und auch in Krisen- und Kriegszeiten eingesetzt werden kann. Eine digitale Währung benötigt aber Elektrizität, Computer und einsatzbereite Netze (beispielsweise Telefon- oder Breitbandnetze) – und sei es nur, um auf die eigene Wallet überhaupt zugreifen zu können. All dies ist speziell in Kriegs- oder Krisenzeiten nicht gewährleistet. Zudem werden Kritiker entgegnen, dass eine Währung vor allem zwei wichtige Funktionen zu erfüllen hat: Man muss mit ihr bezahlen können und sie muss als Wertaufbewahrungsort dienen. Selbst in Zeiten von Rekordständen und einer vielleicht nie dagewesenen Kurs-Rallye sollte ein Wertaufbewahrungsort auch an einer gewissen Stabilität gemessen werden. Und eine Schwankungsbreite von häufig über 10 % pro Tag – wie wir sie beim Bitcoin und anderen Kryptowährungen häufig sehen – ist hier sicherlich nicht förderlich. In der Realität kann man mit Bitcoin aktuell zudem auch nicht wirklich bezahlen. Kaum ein Geschäft akzeptiert diese. Einige Länder denken gar über Verbote nach.

Alle diese Argumente sind für meine Meinung und Analyse an dieser Stelle egal. Denn alle Argumente haben im Kern eines gemeinsam. Im Gegensatz zu Immobilien oder Aktien, bei denen dem aktuellen Preis ein reales Gut mit innerem Wert zugrunde liegt, hängt der tägliche Kurs von Bitcoin ausschließlich von der Hoffnung auf eine zukünftig bedeutende Rolle als „Digitales Gold“ oder Währung ab. Oder anders ausgedrückt: Vom Glauben der Mehrheit, dass der Preis morgen höher liegt als heute. Das nennt man Spekulation. Und daher ist Bitcoin in meinen Augen eine Blase. Und Blase werden platzen. Irgendwann. Vielleicht nicht morgen, vielleicht nicht in einer Woche, vielleicht auch nicht in einem Monat, aber irgendwann. Ich möchte auch nicht am Platzen dieser Blase verdienen. Daher ist mir der Zeitpunkt gleichgültig. Mir geht es um Grundlegendes.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich glaube fest daran, dass Kryptowährungen eine Zukunft haben. Blockchain und IoT (Internet of Things) sind mächtige Themen, die vermutlich weite Teile unseres künftigen Lebens prägen werden. Und Kryptowährungen werden hier ein zentrales Element sein. Dennoch muss nicht jede Kryptowährung am Ende auch überleben. Es werden aber sicher einzelne überleben. Nur weiß eben heute niemand mit Sicherheit, wer dies sein wird. Ende der 90er Jahre wurden viele Dotcoms mit wenig innerem Wert, dafür aber mit viel Fantasie hinsichtlich künftiger Geschäftsentwicklungen, zu Höchstkursen getrieben. Der Großteil wurde nach dem Platzen der Dotcom-Blase nie wiedergesehen. Auch Amazon hatte nach dem Platzen der Dotcom-Blase über 90 % seines Wertes verloren – aber eben auch überlebt und dominiert heute den eCommerce. Ergo können einzelne Kryptowährungen selbstverständlich langfristig global relevant werden und die Blockchain oder das IoT prägen und dennoch zuvor im Rahmen einer geplatzten Krypto-Blase massiv abgestraft werden.

Bitcoin ist also eine Blase. Und Blasen werden erfahrungsgemäß irgendwann platzen.

Nun aber zu meinem eigentlichen Gedanken. Bei aktuellen Kursen von über 18.000 Dollar je Bitcoin sind einige definitiv sehr reich geworden. Auf dem Papier zumindest. Denn die aktuellen Kursgewinne werden sie kaum jemals auf ihrem Bankkonto sehen können. Die Grundlage für meine These hat Holger Zschäpitz kürzlich in seinem Artikel in der Welt sehr treffend dargestellt. Denn das weltweite Bitcoin-Vermögen ist äußerst ungleich verteilt. Basierend auf dem sogenannten Gini-Koeffizienten wird jedes Jahr die Vermögensverteilung in der Gesellschaft bestimmt. Oder nennen wir es eher Ungleichverteilung. In Deutschland beispielsweise besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung laut Oxfam 31 % des gesamten Vermögens. Bei Bitcoin stellt sich diese Situation noch extremer dar. Weltweit gibt es fast 25 Millionen Bitcoin-Besitzer. Von diesen besitzen wiederum nur 0,6 % mehr als 87 % des gesamten Vermögens. Die Kehrseite: 90 % der Bitcoin-Besitzer verfügen über nicht einmal ein % des Vermögens.

Aber was bedeutet diese Konzentration des Vermögens bei einigen wenigen nun für die heutigen Bitcoin-Millionäre und -Milliardäre? Ich behaupte, dass keiner dieser in größerem Umfang seine Bitcoins in echtes Geld tauschen könnte, ohne dabei den Markt zum Einsturz zu bringen. Auch bei Kryptowährungen bestimmen eben Angebot und Nachfrage den Preis. Das tägliche Handelsvolumen ist im Vergleich gering. Wenn nun ein Großbesitzer auf die Idee käme, seine Bitcoins loszuwerden, so müsste er vermutlich über Tage und Wochen hinweg ein so großes Angebot auf den Markt werfen, dass dieses von der täglichen Nachfrage nicht aufgefangen werden kann. Die Folge wäre ein Einbruch der Kurse. Und ich spreche noch gar nicht davon was passiert, wenn ein Großteil der Bitcoin-Millionäre und -Milliardäre verkaufen wollen würde. Von daher existieren die aktuellen Vermögen wohl nur auf dem Papier beziehungsweise in der Wallet und lassen sich nur schwer in echtes Geld transferieren.


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